Omega-3 in der Schwangerschaft: Warum DHA und SPMs so wichtig sind.
Dass Omega-3-Fettsäuren in der Schwangerschaft eine zentrale Rolle für die Entwicklung deines Babys spielen, hast du sicher schon gehört. Doch wusstest du, dass daraus im Körper noch weitere besondere Botenstoffe entstehen können? Diese sogenannten SPMs unterstützen natürliche Prozesse im Körper und können gerade in der Schwangerschaft eine wichtige Rolle spielen.
SPMs können insbesondere bei „stillen“ Entzündungen von Bedeutung sein. Anders als akute Entzündungen verlaufen sie ohne deutliche Symptome. Bei stillen Entzündungen gelingt es dem Körper nicht immer optimal, Entzündungsprozesse vollständig zu regulieren und wieder ins Gleichgewicht zu bringen.1,2
Gerade in der Schwangerschaft – einer Zeit, in der das Immunsystem ohnehin hochkomplexe Aufgaben erfüllen muss – kann ein Mangel an „Friedensstiftern“ wie SPMs eine Rolle spielen. In diesem Ratgeber erfährst du, was SPMs genau sind, warum sie für dich und dein Baby so wichtig sind und wie du sie gezielt unterstützen kannst.
Omega-3-Fettsäuren sind essenziell und müssen über die Nahrung aufgenommen werden, da der Körper sie nicht selbst herstellen kann.3,4
SPMs (Specialized Pro-Resolving Mediators) sind körpereigene Botenstoffe, die aus Omega-3-Fettsäuren gebildet werden und aktiv an der Auflösung von Entzündungen beteiligt sind.5
In der Schwangerschaft können SPMs eine gesunde Plazentafunktion, die Immunbalance und die Entwicklung des Babys unterstützen.4
Die körpereigene Umwandlung von Omega-3 in SPMs kann durch Faktoren wie Nährstoffmangel und Lebensstil beeinträchtigt sein.6
Was sind SPMs? – einfach erklärt
Bei SPMs – sogenannten Specialized Pro-Resolving Mediators – handelt sich um körpereigene Botenstoffe. Sie leiten sich aus Omega-3-Fettsäuren (DHA und EPA) und Omega-6-Fettsäuren (Arachidonsäure) ab.5,7
Anders als klassische entzündungshemmende Stoffe sind SPMs nicht nur anti-entzündlich, sondern pro-resolvierend. Das heißt, sie helfen dem Körper aktiv dabei, Entzündungsprozesse zu beenden, Reparaturmechanismen anzustoßen und Zelltrümmer zu beseitigen, damit Gewebe wieder heilen kann.5
Warum SPMs in der Schwangerschaft wichtig sind
Eine Schwangerschaft ist für dein Immunsystem eine logistische Meisterleistung. Es muss zwei Welten miteinander verbinden: den Schutz vor äußeren Einflüssen wie Infektionen und die absolute Toleranz gegenüber deinem Baby, das genetisch zur Hälfte „fremd“ ist.4
In gesunden Schwangerschaften sind kontrollierte Entzündungsreaktionen sogar biologisch notwendig – etwa für die Gefäßumgestaltung, die Einnistung des Embryos und die Geburt. SPMs wie Lipoxin A4 und Resolvin D1 tragen in diesen Phasen dazu bei, die Immunbalance zu erhalten und die Auflösung der Entzündung zu unterstützen.4
Warum SPMs hier entscheidend sind
Aktive Balance: SPMs sorgen dafür, dass natürliche Immunreaktionen nicht „überlaufen“, sondern rechtzeitig und sanft beendet werden.4
Plazenta-Support: SPMs können eine gesunde Umgebung für die Plazenta unterstützen.4
Regeneration: SPMs können deinem Körper helfen, Gewebestress – der in der Schwangerschaft ganz natürlich entsteht – zu regulieren und die Gewebehomöostase wiederherzustellen.4,5
SPMs gehören zu den wichtigsten „Steuerungshelfern“ der Plazenta.5 Sie tragen dazu bei, dass die Plazenta ihre Aufgabe – dein Baby zuverlässig mit Sauerstoff und Nährstoffen zu versorgen – erfüllen kann. Bei bestimmten Schwangerschaftskomplikationen wie Fehlgeburten, einem gestörten Wachstum des Babys im Mutterleib oder einer Schwangerschaftsvergiftung (Präeklampsie) beobachtet die Forschung häufig zu wenige SPMs oder eine veränderte Wirkung im Gewebe.5
Auch andere Studien bestätigen: Wie viel Omega-3 du als Mutter zu dir nimmst, beeinflusst direkt, wie viele SPM-Botenstoffe in deinem Blut und in der Plazenta gebildet werden.8 Frauen mit einem niedrigen Omega-3-Spiegel haben ein erhöhtes Risiko für eine Schwangerschaftsvergiftung und eine Frühgeburt.9
Warum Omega-3 allein nicht immer ausreicht
Omega-3-Fettsäuren sind nur der erste Schritt: Damit daraus SPMs entstehen, muss dein Körper DHA und EPA über bestimmte Enzyme weiterverarbeiten. Doch genau dieser Prozess ist störanfällig und läuft nicht bei jedem Menschen gleich effizient ab. Er hängt unter anderem davon ab, wie gut dein Körper mit Omega-3 versorgt ist und wie dein individueller Stoffwechsel funktioniert.4,7
Kommt es bei diesem Umwandlungsprozess zu Einschränkungen, kann die Bildung von SPMs reduziert sein. Ein Mangel an Omega-3-Fettsäuren schwächt die körpereigene Produktion zusätzlich und kann dazu beitragen, dass Entzündungen nicht optimal aufgelöst werden.4,7 Gerade in der Schwangerschaft ist das kritisch, denn ein fein abgestimmtes Gleichgewicht zwischen Aktivierung und Beruhigung des Immunsystems ist entscheidend für einen gesunden Verlauf. Oft kommt am Ende nicht genug von den wertvollen „Friedensstiftern“ dort an, wo sie gebraucht werden – ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, an dem dein Körper sie am dringendsten braucht.
Faktoren wie eine unzureichende Nährstoffversorgung oder individuelle Veranlagung können diese Umwandlung zusätzlich beeinflussen.
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FAQ – Häufige Fragen zu Omega-3 und SPMs in der Schwangerschaft
Schwangere sollten täglich mindestens 200 mg DHA aufnehmen – so die Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Aktuelle Studien legen 500 bis 1000 mg Omega-3 ab der 12. SSW nahe, um das Risiko von Frühgeburten zu verringern.
Omega-3-Fettsäuren sind essenzielle Fettsäuren, die du über die Nahrung aufnehmen musst. Sie sind die biochemische Vorstufe für SPMs. SPMs (Specialized Pro-Resolving Mediators) sind körpereigenen Botenstoffe, die dein Körper aus diesen Fettsäuren bildet. Während Omega-3-Fettsäuren allgemein „entzündungsmodulierend“ wirken, sind SPMs gezielt darauf spezialisiert, Entzündungen aktiv aufzulösen, Geweberegeneration anzustoßen und das Immunsystem auszubalancieren.5,7
In der Schwangerschaft ist vor allem die langkettige Omega-3-Fettsäure DHA entscheidend, ergänzt durch EPA.5 Diese kommen vorrangig in fettreichem Seefisch (Lachs, Hering, Makrele, Sardine) sowie in Algenöl und Fischölkapseln vor.12 Schwangere sollten DHA gezielt supplementieren, um die empfohlene Zufuhrmenge zu erreichen.5
Quellenverzeichnis
1. AOK Sachsen-Anhalt. Stille Entzündungen: Immunsystem im Dauerstress. Deine Gesundheitswelt.
2. Schmiedel V. Omega-3 und stille Entzündungen. Erfahrungsheilkunde 2018;67(04):198–204; Çolak Y et al. Nicotine Tob Res 2019;21(8):1036–1044; Aggarwal B et al. J Am Heart Assoc 2018;7(12):e008590; Ertek S, Cicero A. Arch Med Sci 2012;8(5):794–804; DAK Gesundheit – Parodontitis-Tipps.
3. AOK – Wie gesund sind Omega-3-Fettsäuren? aok.de/pk/magazin/ernaehrung/vitamine. Sowie: Gesundheits-Lexikon – Essentielle Fettsäuren in der Schwangerschaft.
4. Sousa LG, Correia-da-Silva G, Teixeira N et al. Specialized pro-resolving mediators: key regulators in placental function and pregnancy complications. J Mol Med 2025;103:885–897.
https://doi.org/10.1007/s00109-025-02561-w
5. Regidor PA, Eiblwieser J, Steeb T et al. Omega-3 long chain fatty acids and their metabolites in pregnancy outcomes. F1000Research 2024;13:882. Sowie: Serhan CN. Nature 2014;510:92–101.
6. Serhan (2014) – Nature (Die Grundlagen der Resolution): Nature 510, 92–101 https://www.nature.com/articles/nature13479
7. Gelbe Liste. Mediatoren der Entzündung – Omega-3 und SPMs. gelbe-liste.de/rheumatologie/mediatoren-entzuendung-omega-3
8. Bosco A, Dessì A, Zanza C, Pintus R, Fanos V. Resolvins' Obesity-Driven Deficiency: The Implications for Maternal–Fetal Health.
9. Regidor PA et al. Clinical Pregnancy Outcomes. Journal of Perinatal Medicine 2024. PMC11809487.
10. Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE). Handlungsempfehlungen Ernährung in der Schwangerschaft. dge.de.
11. Velnatal® Schwangerschaft + Stillzeit – Produkt- und Inhaltsstoffinformation. velnatal.de/velnatal-schwangerschaft-und-stillzeit