Das solltest du wissen
Verhütung in der Perimenopause

In der Perimenopause treffen Zykluschaos, hormonelle Schwankungen und neue Lebenssituationen aufeinander. Erfahre, warum Verhütung weiterhin relevant ist und weshalb östrogenfreie Methoden in dieser Lebensphase oft eine geeignete Wahl sind.

Paar schaut sich verliebt an

Ein unregelmäßiger Zyklus sowie hormonelle Schwankungen sind häufig erste Anzeichen der Perimenopause. Viele Frauen nehmen wahr, dass sich etwas verändert, können diese Phase jedoch nicht sofort einordnen. Dauer, Verlauf und Beschwerden sind individuell sehr unterschiedlich und genauso individuell ist die Wahl der geeigneten Verhütungsmethode in der Perimenopause.

 

Erfahre hier, warum die Verhütung in der Perimenopause weiterhin relevant ist, wie lange sie notwendig bleibt und welche Verhütungsmethoden in dieser Lebensphase als geeignet gelten.

Was ist die Perimenopause? Phasen, Symptome und hormonelle Veränderungen

Die Perimenopause bezeichnet die Jahre vor der Menopause sowie das erste Jahr nach der Menopause, also der letzten Regelblutung.1

Wichtige Fakten
  • Beginn: häufig ab etwa 40 Jahren, individuell sehr unterschiedlich2
  • Gesamtdauer: meist fünf bis zehn Jahre3
  • Die zwölf Monate nach der letzten Regelblutung werden noch zur Perimenopause dazu gezählt3

In der Perimenopause verändert sich die Hormonproduktion deutlich: Der klassische Zyklus mit Follikelreifung, Eisprung und stabiler Lutealphase gerät zunehmend aus dem Gleichgewicht. Zunächst sinkt der Progesteronspiegel, später beginnt der Östrogenspiegel zu schwanken und kann phasenweise sogar erhöht sein (siehe Abbildung). Diese hormonellen Veränderungen erklären viele weitere typische Beschwerden in der Perimenopause.3

Abbildung Hormonelle Veränderungen

Abbildung Hormonelle Veränderungen

Beschwerden und Symptome in der Perimenopause

In der Perimenopause können Symptome in sehr unterschiedlicher Ausprägung auftreten. Während einige Frauen nur leichte Zyklusveränderungen bemerken, leiden andere unter deutlichen hormonellen Schwankungen mit Beschwerden.

Kann man in der Perimenopause schwanger werden?

Die klare Antwort lautet: Ja – auch wenn die Fruchtbarkeit abnimmt, sind Schwangerschaften weiterhin möglich.3 Längere Blutungspausen bieten keinen zuverlässigen Schutz vor einer Schwangerschaft.

 

Gleichzeitig steigt mit zunehmendem Alter das Risiko für Fehlgeburten deutlich an. So liegt das Fehlgeburtsrisiko bei Frauen über 45 Jahren bei etwa 75 Prozent oder höher und damit deutlich über dem Risiko jüngerer Frauen.4 Eine ungewollte Schwangerschaft kann in dieser Lebensphase sowohl körperlich als auch psychisch besonders belastend sein, weshalb eine sichere und zu den jeweiligen Bedürfnissen passende Verhütung weiterhin eine zentrale Rolle spielt.

Was bedeutet das für dich?

Die Verhütung in der Perimenopause ist individuell. Unser Guide unterstützt dich im Gespräch mit deiner Frauenärztin oder deinem Frauenarzt.

Ausbleibende Periode: Wie lange sollte noch verhütet werden?

Auch wenn in der Perimenopause die Periode für einige Wochen und Monate ausbleibt, sollte weiterhin verhütet werden, denn die Menopause kann erst rückblickend festgestellt werden. Erst nach einem Jahr bzw. zwei Jahren ohne Regelblutung kannst du sicher sein, dass dies deine Menopause war.6

 

Medizinische Leitlinien bieten eine klare Orientierung für die Dauer der Verhütung in dieser Übergangsphase:
  • Frauen unter 50 Jahren sollten bis zwei Jahre nach der letzten Regelblutung verhüten.
  • Frauen ab 50 Jahren wird empfohlen, noch mindestens ein Jahr nach der letzten Blutung zu verhüten.3
Warum ist eine östrogenfreie Verhütung in der Perimenopause oft sinnvoll?

Mit dem Alter steigt das individuelle Risiko für Thrombosen und Herz-/Kreislauferkrankungen. Verhütungsmethoden ohne Östrogen erhöhen das individuelle Thromboserisiko nicht zusätzlich. Dies ist auch relevant für Frauen ab 35 Jahren, die ggf. noch weitere Risikofaktoren wie Nikotinkonsum oder Übergewicht haben. Deshalb werden in der Perimenopause häufig östrogenfreie Verhütungsmethoden empfohlen.3,5,8

Warum östrogenfrei verhüten?

Kein zusätzlicher Einfluss auf das persönliche Thromboserisiko

Östrogenfreie Verhütungsmethoden erhöhen das individuelle Thromboserisiko nicht zusätzlich. Dieses kann beispielsweise durch Nikotinkonsum, Übergewicht und/oder Alter erhöht sein.9

Geeignet bei Migräne mit Aura

Da Frauen, die an Migräne mit Aura leiden, ein erhöhtes Schlaganfallrisiko haben, sind östrogenfreie Verhütungsmethoden hier empfehlenswert.9

Zuverlässiger Schutz vor einer ungewollten Schwangerschaft

Die Verhütungssicherheit ist vergleichbar hoch wie bei Methoden mit Östrogen.

Info

Verhütung in der Perimenopause ist sehr individuell. Deine Frauenärztin bzw. Frauenarzt kennt dich und deine Bedürfnisse und kann gemeinsam mit dir eine sichere und passende Verhütungsmethode finden.

So individuell wie die Perimenopause – so individuell ist auch die Verhütung

Gerade während der Perimenopause gewinnt die Auswahl der passenden Verhütungsmethode an Bedeutung. Neben dem zuverlässigen Schutz vor einer ungewollten Schwangerschaft können östrogenfreie Pillen, die dem natürlichen Progesteron ähnlich sind, zu einer höheren Zyklusstabilität beitragen.

Zudem sollten die individuelle Lebenssituation sowie die persönlichen Bedürfnisse immer in die Wahl der passenden Verhütungsmethode einbezogen werden.

Ärztin in einem Gespräch
Gut vorbereitet zum Arztgespräch

Welche Verhütungsmethode geeignet ist, hängt stets von der individuellen Situation ab und sollte immer im Gespräch mit der Frauenärztin oder dem Frauenarzt entschieden werden. Unser Guide fürs Arztgespräch hilft dir, dich auf das Gespräch in deiner frauenärztlichen Praxis vorzubereiten.

Hinweis:

Der Guide ersetzt keine ärztliche Beratung, sondern hilft dir, gut vorbereitet ins Gespräch zu gehen.

FAQ: Häufige Fragen zur Verhütung in der Perimenopause
Kann man in der Perimenopause schwanger werden?

Ja, eine Schwangerschaft ist auch in der Perimenopause noch möglich. Auch wenn die Fruchtbarkeit abnimmt, können weiterhin Eisprünge auftreten. So ist trotz unregelmäßiger Zyklen eine Schwangerschaft prinzipiell möglich.

Welche Verhütungsmethoden sind in der Perimenopause besonders geeignet?

In der Perimenopause sind östrogenfreie Verhütungsmethoden geeignet. Sie gelten als gut verträglich und sicher, auch bei Frauen mit weiteren Risikofaktoren für Thrombosen oder Herzkreislauferkrankungen, wie Nikotinkonsum oder Übergewicht.

Kann die richtige Verhütung auch Symptome der Perimenopause lindern?

Zu möglichen Symptomen in der Perimenopause zählen u.a. Zyklusunregelmäßigkeiten. Östrogenfreie Pillen können zu einem stabileren Zyklus beitragen.

Wie lange sollte noch verhütet werden?

Die Menopause kann erst rückblickend festgestellt werden, nämlich nach min. zwölf Monaten ohne Regelblutung; bis dahin sollte mindestens weiterhin verhütet werden. Es gilt: Frauen unter 50 Jahren sollten bis zwei Jahre nach der letzten Blutung verhüten, Frauen ab 50 Jahren mindestens ein Jahr nach der letzten Blutung.

Warum werden kombinierte Pillen mit Östrogen in dieser Lebensphase oft nicht empfohlen?

Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Thrombosen. Kombinierte hormonelle Verhütungsmittel können dieses Risiko zusätzlich erhöhen, vor allem bei weiteren Faktoren wie Bluthochdruck, Übergewicht oder Nikotinkonsum.

Kann Verhütung in der Perimenopause eine Hormonersatztherapie ersetzen?

Nein, Verhütung kann eine Hormonersatztherapie (HRT) in der Perimenopause nicht grundsätzlich ersetzen. Ob und welche Therapieform im individuellen Fall sinnvoll ist, sollte daher immer im persönlichen Gespräch mit einer Frauenärztin oder einem Frauenarzt geklärt werden.

Quellen
Pfeil

1 Deutsche Menopause Gesellschaft: https://www.menopause-gesellschaft.de/was-ist-die-menopause

 

2 Brinton RD, Yao J, Yin F, Mack WJ, Cadenas E: Perimenopause as a neurological transition state. Nat Rev Endocrinol 2015; 11 (7): 393–405 CrossRef MEDLINE PubMed Central

 

3 Deutsches Ärzteblatt: https://www.aerzteblatt.de/archiv/kontrazeption-ab-40-sicher-und-risikobewusst-verhueten-laenger-als-gedacht-569df27e-fe45-4630-9df0-8c666eca4fc3

 

4 Nybo Andersen AM, Wohlfahrt J, Christens P, Olsen J, Melbye M. Maternal age and fetal loss: population based register linkage study. BMJ 2000; 320 (7251): 1708–12 CrossRef MEDLINE PubMed Central

 

5 Springer Nature: https://link.springer.com/article/10.1007/s10304-019-0265-8

 

6 Deutsche Apotheker Zeitung: https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2024/10/07/perimenopause-achterbahnfahrt-der-hormone

 

7 Deutsche Welle: https://www.dw.com/de/wechseljahre-menopause-perimenopause/a-74691121

 

8 Deutsche Menopause Gesellschaft: https://www.menopause-gesellschaft.de/verh%C3%BCtung

 

9 S3-Leitlinie „Hormonelle Empfängnisverhütung“, AWMF-Registernr. 015-015 https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC7895491/?utm_source=chatgpt.com