Starke Periode? Das steckt hinter einer Hypermenorrhoe
Die Menstruation gehört für viele Frauen zum Alltag – oft lästig, aber erträglich. Die Periode kann auch einmal stärker als gewöhnlich ausfallen, sodass Tampons oder Binden nahezu im Stundentakt gewechselt werden müssen. Ist dies der Fall, kann eine Hypermenorrhoe dahinterstecken. Was das ist, wie sie sich äußert und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt, erfährst du hier.
Was ist Hypermenorrhoe?
Hypermenorrhoe bezeichnet eine ungewöhnlich starke Regelblutung. Dabei verliert der Körper während der starken Menstruation deutlich mehr Blut als üblich. Medizinisch spricht man von einer Hypermenorrhoe, wenn der Blutverlust über 80 Milliliter pro Zyklus beträgt. Zur besseren Einschätzung: Das sind mehr als 5 Binden oder Tampons pro Tag. Die Dauer der Periode bleibt dabei meist im normalen Rahmen von 3 bis 7 Tagen.
Wichtig: Die Blutung ist nicht verlängert, sondern einfach stärker als gewöhnlich. Viele Betroffene müssen Tampons oder Binden stündlich wechseln oder nutzen doppelte Produkte, etwa Tampon und Binde gleichzeitig.
Hypermenorrhoe und Menorrhagie sind verwandte Begriffe, sie beschreiben aber nicht genau dasselbe. Bei der Hypermenorrhoe geht es um die Menge der Blutung. Es handelt sich um eine sehr starke Regelblutung, deren Dauer aber normal ist.
Bei der Menorrhagie geht es dagegen vor allem um die Dauer. Die Regelblutung ist verlängert, sie beträgt mehr als 8 Tage und ist häufig ebenfalls verstärkt. Es handelt sich sozusagen um eine lang andauernde starke Menstruation.
Die Symptome einer starken Menstruation
Eine Hypermenorrhoe zeigt sich nicht nur im medizinischen Sinne durch starken Blutverlust – sie beeinflusst auch den Alltag spürbar. Körperliche Beschwerden und Einschränkungen bei Arbeit oder sozialen Aktivitäten gehen oft Hand in Hand.
Ein Koagel ist geronnenes Blut, das sich während der Menstruation in der Gebärmutter bildet. Normalerweise verhindern gerinnungshemmende Enzyme in der Gebärmutterschleimhaut (Endometrium), dass das Blut verklumpt. Bei Hypermenorrhoe reicht die Wirkung dieser Enzyme nicht mehr aus. Das Blut sammelt sich schneller in der Gebärmutter, als es abfließen kann.
Der sehr intensive Blutfluss erfordert häufiges Wechseln von Tampons, Binden oder Menstruationstassen.
Manche Frauen nutzen doppelte Periodenprodukte, also beispielsweise die Kombination aus Tampon und Binde oder Menstruationstasse und Periodenunterwäsche. Dennoch kommt es insbesondere nachts zur Durchblutung von Kleidung oder Bettwäsche.
Durch den starken Blutverlust kann sich ein Eisenmangel oder sogar eine Eisenmangelanämie entwickeln. Die möglichen Folgen sind Erschöpfung, Müdigkeit, Kopfschmerzen, blasse Haut und brüchige Nägel
Die Hypermenorrhoe ist nicht einfach „nur eine starke Periode“. Sie beeinflusst das körperliche Wohlbefinden, den Alltag und oft auch das Selbstbewusstsein.
Was steckt hinter einer Hypermenorrhoe?
Die Ursachen einer Hypermenorrhoe sind vielfältig. Oft steckt eine gutartige Veränderung in der Gebärmutter dahinter – aber auch Hormone [Linkziel: /koerper/hormone] oder bestimmte Grunderkrankungen können eine Rolle spielen.
Bei 10 bis 30 Prozent der Frauen mit diagnostizierter Hypermenorrhoe liegt eine angeborene oder erworbene Störung der Blutgerinnung vor. Diese kann dazu führen, dass die Blutung länger und stärker ausfällt.
Das sind gutartige Muskelknoten in der Gebärmutter. Je nach Lage und Größe können sie die Muskulatur der Gebärmutter daran hindern sich zusammenzuziehen. Das wiederum kann zu starken Blutungen führen.
Bei manchen Frauen erhöht die Kupferspirale die Menge der Monatsblutung, vor allem in den ersten Monaten nach dem Einsetzen.
Hypermenorrhoe wird in einigen Fällen durch eine Unter- oder Überfunktion der Schilddrüse verursacht, da es dabei zu einem hormonellen Ungleichgewicht im Zyklus kommt.
Besonders ein Überschuss an Östrogen oder ein Mangel an Progesteron kann dazu führen, dass sich die Schleimhaut der Gebärmutter zu stark aufbaut – und dann in der Periode verstärkt abgestoßen wird.
Kleine Wucherungen der Gebärmutterschleimhaut, die die Blutung verstärken können. Sie sind meist gutartig und entstehen häufig durch hormonelle Veränderungen, zum Beispiel in den Wechseljahren.
Beides sind Erkrankungen, bei denen sich Gebärmutterschleimhaut außerhalb oder innerhalb der Gebärmutterwand ansiedelt. Endometriose
Blutverdünner oder bestimmte Hormonpräparate (etwa bei einer Hormonersatztherapie) erhöhen unter Umständen die Blutungsneigung.
Nicht immer lässt sich eine konkrete Ursache sofort feststellen. Deshalb ist eine gynäkologische Abklärung wichtig – vor allem, wenn die starke Periode über mehrere Zyklen hinweg auftritt.
Folgen einer starken Periode – für Gesundheit und Alltag
Eine starke Regelblutung bleibt selten ohne Folgen. Auf Dauer kann das spürbare Auswirkungen auf die Gesundheit und Lebensqualität haben.
Mit dem Blut geht Eisen verloren – ein wichtiger Baustein für die Bildung roter Blutkörperchen. Wenn die Speicher leer sind, kann sich ein Eisenmangel entwickeln. Bleibt der Eisenmangel bestehen, sinkt die Anzahl der roten Blutkörperchen. Das nennt man Eisenmangelanämie. Der Körper wird schlechter mit Sauerstoff versorgt.
ine starke Menstruation sorgt dafür, dass sich Frauen aus dem sozialen Leben zurückziehen, weil sie Angst haben, die Kleidung durchzubluten und ständig eine Toilette in der Nähe zum Wechseln der Periodenprodukte benötigen. Viele Frauen meiden Sport, Verabredungen oder Reisen während der Periode. Zudem entstehen durch den starken Verbrauch von Hygieneprodukten hohe finanzielle Kosten.
Starke nächtliche Blutungen und das häufige Aufstehen zum Wechseln von Binden oder Tampons rauben Schlaf und Erholung.
Intensive Monatsblutungen gehen häufig mit intensiven krampfartigen Schmerzen im Unterbauch einher. Die Beschwerden können in Rücken oder Beine ausstrahlen und mit Übelkeit, Kopfschmerzen oder einem allgemeinen Schwächegefühl verbunden sein.
Der wiederkehrende Kontrollverlust über den eigenen Körper kann auf Dauer die Psyche belasten. Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit oder ein Gefühl von Ausgeliefertsein sind keine Seltenheit.
Eine Hypermenorrhoe betrifft nicht nur den Zyklus – sondern den ganzen Menschen. Wird sie früh erkannt und behandelt, lassen sich viele dieser Folgen vermeiden.
Starke Regelblutung? Auf zur Frauenärztin!
Ich habe eine starke Periode – was soll ich tun?“ – Das fragen sich viele Betroffene, wenn die Blutung zum Problem wird. Der erste Schritt ist ein Besuch bei der Frauenärztin Eine starke Menstruation sollte immer untersucht werden – vor allem, wenn sie regelmäßig auftritt oder den Alltag stark beeinträchtigt.
Die Ärztin/der Arzt fragt nach der Dauer der Regelblutung, der Wechselhäufigkeit von Tampons oder Binden, nach weiteren Beschwerden und der Regelmäßigkeit des Zyklus. Ein Tagebuch oder eine Perioden-App kann helfen, die eigene Periode besser zu beschreiben.
Dabei wird die Gebärmutter abgetastet, um Auffälligkeiten wie eine Vergrößerung oder verhärtete Stellen zu erkennen.
Ein vaginaler Ultraschall zeigt, ob Myome, Polypen oder andere Veränderungen in der Gebärmutter vorliegen. Auch die Schleimhautdicke lässt sich beurteilen.
Das Labor prüft beispielweise den Hämoglobin-Wert (Hinweis auf Blutarmut), den Eisenstatus (Ferritin), Gerinnungswerte (um eine mögliche Blutgerinnungsstörung auszuschließen) und/oder den Hormonspiegel (Schilddrüsenhormone, Sexualhormone).
Lässt sich keine Ursache für die starke Periode finden, kann die Ärztin/der Arzt eine Gebärmutterspiegelung (Hysteroskopie) zur genaueren Abklärung von Schleimhautveränderungen anordnen. Alternativ werden dabei Gewebeproben bei Verdacht auf krankhafte Schleimhautwucherungen entnommen.
Die Diagnose ist wichtig, um gezielt behandeln zu können – denn nicht jede starke Blutung hat dieselbe Ursache.
Starke Periode: Was tun bei Hypermenorrhoe?
Die Therapie richtet sich nach der Ursache, dem Alter der Patientin und den persönlichen Vorlieben – etwa nach hormonfreier Behandlung oder bei bestehendem Kinderwunsch.
Hormonpräparate können den Zyklus regulieren und auf diese Weise die Blutmenge reduzieren. Möglich ist der Einsatz kombinierter Pillen (enthält Östrogen und Gestagen) oder eines reinen Gestagenpräparats das den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut drosselt. Auch die Hormonspirale, die ie direkt in die Gebärmutter eingesetzt wird, ist eine Behandlungsoption, um eine starke Periode zu verringern.
Frauen, die keine hormonelle Behandlung wünschen, können auf sogenannte Blutungshemmer, wie etwa Tranexamsäure, zurückgreifen, um die Blutung einzudämmen.
Bei einem Eisenmangel verschreibt die Ärztin/der Arzt Eisenpräparate.15 Damit lassen sich Symptome wie Müdigkeit, Blässe oder Schwindel lindern.
Je nach Ursache gibt es hier verschiedene Optionen. Myome, Polypen oder andere strukturelle Veränderungen entfernt eine Gynäkologin im Rahmen einer Gebärmutterspiegelung (Hysteroskopie).
Als Alternative und zur vorübergehenden Linderung der Beschwerden steht die Ausschabung (Kürettage) zur Verfügung. Eine weitere operative Methode ist die Endometriumablation. Dabei wird die Gebärmutterschleimhaut verödet – die Blutung soll so dauerhaft reduziert werden oder bleibt ganz aus.
Der letzte Schritt, wenn keine anderen Therapien mehr helfen und die Beschwerden sehr stark sind, ist die Gebärmutterentfernung (Hysterektomie).
Welche Methode bei einer starken Periode infrage kommt und was genau zu tun ist, entscheidet sich im ärztlichen Gespräch – individuell abgestimmt auf die Lebenssituation und Bedürfnisse der Patientin.